Schloss Fachsenfeld birgt viele Überraschungen

Schloss Fachsenfeld birgt viele Überraschungen

Schloss Fachsenfeld birgt viele Überraschungen

Zur sonntäglichen Führung auf Schloss Fachsenfeld versammeln sich um 11:30 Uhr zehn historieninteressierte Menschen zur einstündigen Führung. Darunter auch junge Familien mit Kindern. Die Wartezeit vergeht wie im Flug: Der Hof ist ein bezauberndes Fleckchen Erde. Blumenbeete umkränzen den kleinen Brunnen. Leise plätschert das Wasser. An heißen Tagen spendet das hübsche Schloss dankbar Schatten. Hier lässt es sich auch an einem Sonntagnachmittag mit Kind und Kegel wunderbar aushalten.

Wunderbarer Park

Der Park von Schloss Fachsenfeld ist sehr schön angelegt Foto: Stiftung Schloss Fachsenfeld

Die Führerin, Frau Barbara Wiedmann, beginnt am Hintereingang. Durch den erfolgt in heutiger Zeit der Zugang zu Schloss Fachsenfeld. Die Fachfrau berichtet sogleich über die wechselsvolle, spannende Geschichte des Schlosses. 1540 beginnt sie und reicht bis ins Jahr 1992 hinein. Über drei Stufen hinweg  stehen die Gäste nun vor der Haustüre. Es sind die einzigen Stufen, die bei der Führung auf Schloss Fachsenfeld zu überwinden sind. Daher ist diese auch mit Kinderwagen und Rollstühlen gut zu meistern. Klingeling – eine antike Glocke, über einen Draht zum Zugseil verbunden, kündigt im Innern die Besucher an!

Die Nachbarn der Zeppelins

Man betritt die geräumige Halle, wird aber sogleich in einen Nebenraum mit spannendem Inventar geleitet. Hier erfährt der Gast anhand von Schautafeln, dass allein schon am Park 30 Jahre gebaut wurde. Der emsige Erbauer Wilhelm von Koenig stammte aus einer höheren Beamtenfamilie. Er wohnte in Stuttgart neben Familie Zeppelin. Das heute gut erhaltene Schloss Fachsenfeld stand vorher 128 Jahre als ausgebrannte Ruine aus dem dreißigjährigen Krieg an dieser Stelle. Nach dem gelungenen Umbau verbrachte die Familie hier die Sommerfrische, genauer gesagt ihren Urlaub. Und bezog das schöne Schloss schließlich als Altersruhesitz.

Viele Generationen verbrachten also ihre Zeit in dieser Idylle. Demnach sind aus allen Generationen noch Einrichtungsgegenstände vorhanden. Der letzte Bewohner von Schloss Fachsenfeld war Reinhard von Koenig, der 1992 starb. Er gründete 1982 die Stiftung Schloss Fachsenfeld, um somit das traumhafte Gebäude und Gelände der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Alles im Originalzustand

In die Gruppe kommt amüsante Bewegung, als diese in der Eingangshalle zum Überstreifen von Filzpantoffeln aufgefordert wird. Uiii, ist das ein Spaß! So schön schlurft es sich durchs Schloss!  Schliddernden Schrittes geht es nun entlang an Waffen aus dem dreißigjährigen Krieg, Signalkanonen und Trophäen. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Ausstellung „Figura in Natura“, die zusätzlich im ersten Stock von Schloss Fachsenfeld auf die Besucher wartet. Die Führung an sich beschränkt sich auf die unteren Räume. Diese sind im Grunde im Originalzustand von 1952. Als Reinhard von Koenig einzog, wohnte er im 1. Obergeschoß.

Zuerst betritt der Besucher das Terrassenzimmer. Ein traumhafter Blick über den ansprechenden Park von Schloss Fachsenfeld empfängt die Gäste dabei. Frau Wiedmann weiß zu berichten, dass sich dieser imposante Blick täglich ändert. Je nach dem, wie Sonneneinstrahlung und Blumen- und Baumblüte gerade wirken. Hier tranken die Damen ihren Mokka, während die Herren nebenan im Herrenzimmer rauchten und den Digestif zu sich nahmen. Im Herrenzimmer hängt dann auch das Portrait von August von Koenig. Einem Onkel von Wilhelm. Als wohlhabender Diamantenhändler in Amsterdam hatte er seine Neffen bedacht. Jeder erhielt ein enormes Anwesen. Wilhelm entschied sich für Schloss Fachsenfeld.

Auf einem anderen Bild sind die vier Kinder von Wilhelm zu sehen. In der Erbfolge, so weiß Frau Wiedmann, schieden die ersten drei aus. So erhielt der vierte Sohn Schloss Fachsenfeld. Im Speisezimmer ist noch gedeckt, als käme die Familie gleich zum Essen. Ringsherum betörende Bilder von Jagden oder Jagdtrophäen.  Dunkle, gewichtige Möbel prägen hier das Bild. Diese stammen aus der Zeit nach dem deutsch-französischem Krieg. Bei jedem Familienwechsel kamen die repräsentativen Möbel mit. Auch brachten die Frauen ihre Aussteuer mit auf Schloss Fachsenfeld.

Dekorativer Neubau

Es geht in den „Neubau“. Das dekorative Russenzimmer erinnert an die Feldzüge Napoleons in Russland. An diesen waren auch Mitglieder der Familie von Koenig beteiligt. In diesem Zimmer sollte das prägende Andenken bewahrt werden. Das erste Foto von Wilhelm von Koenig ist hier ebenfalls aufbewahrt. Weiter geht es in das lichtdurchflutete Gartenzimmer. Dieses diente früher als Wohnzimmer. Heute beglückt es heiratswillige Paare als außergewöhnlicher Trauraum. Hier kann man sich äußerst stilvoll das Ja-Wort geben.

Es ist auffällig, dass in allen Zimmern imponierende Uhren stehen oder hängen. Wilhelm von Koenig reiste gerne nach Paris. Von wo er die verschiedenste Uhren mitbrachte. Überall hört man während der Führung das Schlagen der filigranen Glocken. Auch im Gartenzimmer hängt in Bildern die interessante Geschichte der Besitzer von Schloss Fachsenfeld. Immer heiratete „Sach zu Sach“. So brachten auch die Frauen jeweils ein stolzes Vermögen an vorzüglichen Sach- und Immobilienwerten mit in die Ehe.

Das Jagdzimmer vermittelt einen düsteren Eindruck. Es ist der Raum, der während der gesamten Führung am wenigsten freundlich erscheint. Wohl auch, weil draußen gerade ein schweres Gewitter aufzieht. Das Zimmer ist vollgestopft mit Jagdtrophäen. Die Möbel sind daher in jagdgrün gehalten. Mit Seegras gepolstert. Was bloß haben die Bewohner von Schloss Fachsenfeld in all den Zimmern gemacht? Die moderne Welt scheint weit, weit weg. Keinen Fernseher, keine Spielkonsole, kein Radio sieht man während der Führung. Das überrascht nicht. Aber es zeigt auch, wie weit wir inzwischen entfernt sind von einer Zeit ohne technische Finessen.

Gigantische Bibliothek

Weiter geht es in die gigantische Bibliothek -im Jugendstil gehalten. Das Prachtstück besteht aus zwei beachtlichen Geschossen und durch eine milchglasige Decke fällt natürliches Licht herein. Deshalb finden die Führungen zur Mittagszeit statt, um hier die Lichtverhältnisse zu nutzen. Doch bei diesem Unwetter draußen kommt das Ambiente der Bibliothek nur unzureichend zur Geltung. 30.000 Bücher sind in diesem kolossalen Raum untergebracht. Die Sekretärin von Reinhard von Koenig hatte die Aufgabe, alle Werke zu kategorisieren. Von ihrem 17. bis zum 70. Lebensjahr brauchte sie dazu. Erlesene Literatur ist in diesem strahlenden Raum zu finden. Selbst französische Kinderbücher. Die Sprache der hohen Gesellschaft war nun mal Französisch!

Bibliothek

Kolossale Bibliothek mit 30.000 Büchern. Foto: Stiftung Schloss Fachsenfeld

Küche mit skurrilen Gegenständen

Über einen Gang kommt die Gruppe nun in die beschauliche Küche. Diese ist im Original belassen, wie es in den 50er Jahren üblich war. Wunderbar skurrile Dinge sind hier noch vorhanden. Eine Kaffeeröstmaschine, Kartoffelschaber, Krautfass und Buttermaschine. Viele Besucher fühlen sich verzaubert und in ihre Jugend zurückversetzt. Für einen Mann mit so viel technischer Erfahrung hatte Reinhard von Koenig auf Schloss Fachsenfeld offenbar keinen Drang zur Verbesserung. Und soviel steht fest: Bis hierher hatte der sehr informative Rundgang definitiv Edgar-Wallace-Flair.

Doch dann wechseln rasch die Themen. Reinhard von Koenig tritt erneut in den Vordergrund. Der Mann war ein bedeutender Tüftler. Auf Schloss Fachsenfeld sind noch einige hochwertige Exponate, die er geschaffen hat, ausgestellt. Von König ist Pionier der Stromlinienform, Entwickler von Baukästen, Vater der Silberpfeile und vielem mehr. So lassen sich beispielsweise die original Kurbelwelle eines Indy-Porsche hier bewundern. Auch sein sensationelles Weltrekordauto, mit dem er 1931 die phantastische Geschwindigkeit von immerhin 140 km/h erreichte, ist zu sehen.

Dann steht man wieder im zauberhaften Hof und überlegt: Einen Kaffee im knuffigen Schloss Café? Die Führung durch einen der schönsten Parks Deutschlands? Eine der abwechslungsreichen Themenführungen? Das Alles kommt als Nächstes dran. Garantiert!

Öffnungszeiten
Samstag, 13 bis 17 Uhr / Sonntag, 11 bis 17 Uhr

Reguläre Schlossführungen:
Samstag, 13.30 Uhr / Sonntag, 11.30 Uhr

Eintrittspreis pro Person 5 €  (Schloss und Park 8 €)
Kinder unter 10 J. frei, Schüler und Studenten ermäßigt.
Schulklassen pro Person 1 €
Für Gruppen ab 10 Personen zu jeder vollen Stunde oder nach vorheriger Vereinbarung.
Nach Voranmeldung sind auch an Wochentagen Führungen für Gruppen ab 10 Personen möglich.

Michael Scheidle, Fotos Stiftung Schloss Fachsenfeld

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